Warum Sport bei mir kein Projekt ist
Ich fahre seit Jahren Rad, 2-3 mal die Woche, wenn das Wetter passt, komm so auf 2000 bis 2500 km im Jahr – und in letzter Zeit denke ich immer öfter darüber nach, warum ich es eigentlich mache und was ich dabei bewusst nicht mache.
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Sport soll gesund und fit halten, nicht zum Projekt werden
Ich achte schon mein Leben lang darauf, breit aufgestellt zu sein und trotzdem in jedem Bereich, den ich mir aussuche, so tief wie möglich zu gehen. Hugo, Zeichnen, Fotografieren, Lesen, die Arbeit – das sind meine Langzeitprojekte im Sinne lebenslangen Lernens. Sport gehört bewusst nicht dazu. Er hat eine einzige Aufgabe: gesund und fit zu bleiben. Sobald er anfängt, ein eigenes Projekt mit eigenem Anspruch auf Tiefe zu werden, wird es zu viel – und “zu viel” ist ohnehin ein Gefühl, das mich in vielen Lebensbereichen begleitet: bei Dateien, Büchern, Fotos, Programmen. Auch beim Sport.
Weg von Leistung, hin zu einem Rhythmus, der zu mir passt
Ich merke bei mir immer wieder den Reflex, in Leistungskategorien zu denken: höher, schneller, weiter. Sich an den Kilometerzahlen anderer zu orientieren – 12.000 km im Jahr und Ähnliches. Das ist eine Falle, in die ich nicht mehr tappen möchte. Stattdessen will ich einen Rhythmus finden, der für mich stimmig und nachhaltig ist, zum Beispiel dreimal die Woche 20 bis 30 Kilometer. Kein Vergleich, kein Wettkampf mit mir selbst oder anderen – einfach eine Ausfahrt, die zu meinem Leben passt.
Das zeigt sich auch darin, wie ich auf unaufgeforderte Leistungsvergleiche von anderen reagiere: sachlich, bodenständig, ohne mich auf die motivierende Rahmung einzulassen, die dahinterstecken soll. Ich beende solche Gespräche lieber, statt mich in einen Wettbewerb hineinziehen zu lassen, den ich gar nicht führen will.
Zone 2 statt Zahlenfriedhof
Trainingstechnisch fahre ich nach einem 80/20-polarisierten Zone-2-Ansatz – bewusst ruhig, bewusst ohne ständige Ausreizung. Aber selbst die Datenverwaltung dazu (Trainingsdaten sammeln, das TSB-Modell, alles im Blick behalten) empfinde ich mittlerweile als zu aufwendig, obwohl ich ohnehin schon deutlich weniger Daten sammle als ambitionierte Amateure. Ich möchte künftig ganz ohne Leistungsziele fahren. Das ist fast schon eine kleine Ironie: Ich bin gleichzeitig “der Statistiker in mir”, der gerne eine eigene Tabelle neben der Trainingssoftware führt – nicht weil ich neue Erkenntnisse daraus ziehen will, sondern um mir selbst zu beweisen, dass es auch einfacher geht. Auch das ist im Grunde ein Ausdruck derselben Haltung: verstehen wollen, aber nicht süchtig danach werden.
Der Körper und die Jahreszeit bestimmen mit
Ich plane inzwischen auch bewusst Pausen ein – wegen der Sommerhitze etwa, oder weil der Rücken es gerade nicht anders will. Drei Wochen ohne Rad, obwohl sonst 120 km die Woche üblich sind, sind für mich kein Rückschritt, sondern Teil eines langfristigen, lebenslangen Ansatzes. Fitness ist für mich ein Ziel fürs ganze Leben, nicht für die nächste Saison.
Fazit
Meine Sport-Philosophie lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Bewegung soll mich gesund erhalten, nicht mein Ego bedienen. Ich will einen Rhythmus, den ich noch in zwanzig Jahren fahren kann, keinen, der mich in ein paar Jahren ausbrennt. Weniger Zahlen, weniger Vergleich, mehr einfach nur fahren.